Achern (emg). In den Kliniken des Kreises wird gearbeitet bis an die Grenzen der Belastbarkeit und sogar der Umsatz gesteigert – trotzdem gibt es keine Garantie für schwarze Zahlen. Die Abhängigkeit von Fallpauschalen macht eine Kalkulation schwierig. Das erlebten die Kreisräte der Freien Wähler am Mittwoch auf einer Informa-tionsfahrt zum Ortenau-Klinikum Achern/Oberkirch. Ihre Antwort brachte Fraktionsvorsitzender Jürgen Novak so auf den Punkt: „Wir stehen zu diesem Standort. Wir müssen die Strukturen erhalten“.

Acht Kreisräte der Freien Wähler ließen sich durch die Klinik Oberkirch und Achern führen  und setzten sich mit den Direktoren zusammen. „Das Acherner Haus leistet unschätzbare Arbeit für die kranken Menschen der Region“, be-tonte Thomas Kohler, niedergelassener Arzt in Achern. Die Kreispolitiker seinen gefordert, die finanzielle Schieflage wieder gerade zu rücken. Abhilfe müsse geschaffen werden, ohne in die Versorgung wesentlich einzugreifen. Von steigenden Patientenzahlen aus dem Raum Bühl, Ottersweier und Lichtenau berichtete Verwaltungsdirektor Peter Janz. Dabei behandle das Acherner Krankenhaus die „höherwertigen Patienten“ – für deren Fälle es mehr Geld vom Gesundheitssystem gebe. Ärztlicher Direktor Michael Neuburger empfahl deshalb, dass der Kreis als Träger eine Mischkalkulation aller Standorte betrachten sollte. Chancen sehe er in der Bildung eines neuen Schwerpunkts für ältere Patienten, etwa in der Unfallchirurgie: „Das wird zunehmen“. Er berichtete, dass ärztlicher Nachwuchs derzeit vorwiegend aus Osteuropa und dem arabischen Sprachraum komme:“ Wir haben einen Bewerbermangel.“

Auch im Pflegebereich seien die Bewerbungen für freiwerdende Stellen und für die Ausbildung deutlich zurückge-gangen, ergänzte Pflegedirektor Bernd Boschert. Um das Haus auf sichere Füße zu stellen, sorge man selbst für Fort- und Weiterbildung und nehme mehr Auszubildende auf, weil ein Teil erfahrungsgemäß wieder abspringe. Auf gute Arbeit und die gute Auslastung des Standortes Oberkirch wies Kreisrat Manfred Baumann hin. Ihm als Bürgermeis-ter von Bad Peterstal-Griesbach liegt der Erhalt dieses Hauses besonders am Herzen, weil die Wege im hinteren Renchtal sonst zu weit würden. „Es muss unser Bestreben sein, alle sieben Häuser zu erhalten“, bekräftigte Valentin Doll, Kreisrat aus Sasbachwalden. Aber nicht der Kreis sollte die Defizite ausgleichen müssen, sondern die Kassen sollten die Fallpauschalen erhöhen:“ Wir müssen den Druck an die Politik weitergeben“. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreistag, Jürgen Novak (Oberwolfach), stellte fest: „Es ist schade für die Mitarbeiter, sie können das Minus im Großen und Ganzen gar nicht beeinflussen“. Am 10. Mai stehe eine Strategiesitzung des Kreises mit der Klinikleitung an.

Beim Besuch der Beruflichen Schulen in Achern erfuhren die Kreisräte anschließend von stabilen Schülerzahlen, hohen Investitionen und einem Platzmangel für rund 100 Lehrkräfte. In den Vorqualifizierungsklassen mit 40 Schülern aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und anderen Ländern laufe es gut, sagte der Schulleiter Jörg Krauß:

„Sunniten, Schiiten und Wahhabiten helfen sich gegenseitig“. Der Eindruck der Kreisräte war positiv. „Die machen da einen guten Job“, so der Eindruck des Fraktionsvorsitzenden Jürgen Novak. Die Informationsfahrt wurde mit einer Führung durch die Illenau und einem Abendessen im dortigen Arkadenbistro abgeschlossen.

(Aus Acher- und Bühler Bote vom 17.03.2017)


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